einsatzbericht ferienprojekt "assista-2016" vom 22. - 27. august

Schlussworte des Einsatzleiters:

Nicht alles was im Zivilschutzjahr läuft ist honigschlecken. "ASSISTA-2016" verlief sowohl in der arbeitsintensiven Vorbereitungsphase sowie in der anspruchsvollen Ferienwoche, nahezu perfekt. Die erreichte Qualität des Anlasses würde jeder anderen Organisation gut anstehen. Der nachstehende Bericht vermittelt ein gutes Bild, das nicht ergänzt werden muss. Der Anlass verlief unfallfrei, war begünstigt vom schönen Wetter im Tessin und von der guten Infrastruktur im Campo Pestalozzi, Argeno. Verbessern können wir nicht mehr viel. Das hohe Engagement, die Zusammenarbeit im "ASSISTA-Team" und die Flexibilität von allen war beispielhaft. Dafür danke ich allen Beteiligten herzlich. Mein besonderer Dank gilt dem Pigna-Team unter der Leitung von Nadja Stampfli und meinem ZS-Leitungsteam mit Benj Lenherr, Marco Riget und George Mete.

Wir haben einen Massstab gesetzt der schwer zu toppen und eine Verpflichtung für die Zukunft ist. Das geht runter wie Honig und macht mich ein wenig stolz.

Peter Schwarz, Kdt ZSO und Einsatzleiter

  Fotoalbum:

 

Einsatzbericht in Interviewform:                                                                                

  Interviewt und redigiert von Manuel Navarro
  Bilder: mehrere Teilnehmer

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was nicole erlebt ....       

Nicole, ein Gast berichtet ihre Erlebnisse

 

was vom team assista berichtet wird ....        

Unser Herz schlägt für Benachteiligte.

 16. August, Begegnungstag:

 

Der Begengungstag ist schön. Man sieht wer dabei ist und erhält einen "Vorgeschmack" auf die Woche im Tessin.

Das Ferienprojekt ASSISTA ist mein Highlight des Jahres. Es ist jedesmal ein Super-Erlebnis. Ich freue mich sehr darauf.

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Equipe Materialverlad + Küche

Der Begegnungstag läuft gemäss Planung und gut ab.

Es freut, wenn man erlebt wie sich die Gäste auf die Woche freuen.

Die Zuteilungen der Betreuer zu den Gästen scheint zu passen.

Das erweiterte Grillangebot beim Nachtessen wird gelobt - schön :-)

   

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Info Teilnehmer Pigna und ZS

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Info Gäste und Staff

   

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Essen fassen

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Gemütliches Abendessen und gegenseitiges Kennlernen

 18. August, Vorkurs ZS    ASSISTA-16_VK_1.jpg Nach frühmorgentlicher Reise ins Tessin wird durch das TEAM-ASSISTA das Campo für den Montag vorbereitet. Zudem werden besondere Standorte erkundet.
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Links: Erkundung auf dem Monte Bré.

Unten: Kennzeichnung des Anfahrtswegs.
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22. August, erster Tag der Ferienwoche

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Ich habe den ersten Tag unserer Ferien sehr gut erlebt. Besonders gut gefallen haben mir die Zivilschützer – unsere „orangen Frösche“ – mit ihrer fröhlichen Art. Und, ich bin offen, auch mit ihrem Aussehen :)

Mein Highlight des Tages war das gemeinsame Abendessen. Dabei spürt man das Gemeinschaftsgefühl und dass hier jeder so akzeptiert wird, wie er ist. Das Abendessen ist darum immer ein grosses Fest. Deshalb bin ich auch überhaupt noch nicht müde, im Gegenteil, ich könnte Bäume ausreissen!

 

Benjamin Lenherr, Hauptverantwortlicher Betreuung, zieht am Abend ein Fazit des ersten Ferientages:

Alle Feriengäste und Zivilschützer sind gesund und munter in Arcegno angekommen, das Tagesziel wurde dadurch erreicht, auch wenn es natürlich immer Verbesserungspotenzial gibt. Am kniffligsten dieses Jahr ist, dass wir mit einem neuen Organisationsteam antreten: Nadja Stampfli, Teamleiterin der Stiftung Pigna, ist zum ersten Mal dabei, ich bin erstmals alleiniger Hauptverantwortlicher für die Abteilung Betreuung, knapp die Hälfte unserer rund 26 betreuenden Zivilschützer waren noch nie dabei und auch viele der 20 Feriengäste sind zum ersten Mal hier.

Die Zuteilung der Betreuer zu den Gästen hat bisher gut geklappt, obwohl wir wegen zweier Krankheitsfällen noch kurzfristig umdisponieren mussten. Bis morgen Mittag wird sich dann definitiv zeigen, ob die Einteilung so passt oder ob wir noch etwas anpassen müssen. Denn der erste Tag, die erste Nacht und der erste Morgen sind entscheidend, um herauszufinden, ob es bei einer bestimmten Paarung wirklich gar nicht geht.

   

 

 

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Feriengast David Bütikofer feierte am 22. August seinen 42. Geburtstag und seine Mutter spendierte zu diesem Anlass Schwarzwäldertorten für sämtliche Feriengäste und Betreuer.

 

    ASSISTA-16_WK_22_1.jpg Die erste und vielleicht wichtigste Herausforderung des Tages: Sämtliche Feriengäste inklusive Betreuer und Gepäck auf die richtigen Fahrzeuge für die Reise nach Arcegno zu platzieren.
 23. August, zweiter Tag

Wir haben heute einen Ausflug auf den Monte Bré unternommen. Die Panoramaaussicht über die Bucht von Lugano war der Hammer! Und das wir danach am Lido von Lugano noch kurz eingekehrt sind, war das Tüpfelchen auf dem I.

 

Django Hodosy, einer der drei Betreuer, die für die Nachtwache zuständig sind, erklärt, worum es bei seiner Aufgabe geht:

Nachtwache zu führen bedeutet, dass wir in dem Trakt, in welchem die salopp formuliert "nachtaktiven" Feriengäste untergebracht sind, immer wieder kontrollieren, ob alles in Ordnung ist. Dabei übernehmen wir verschiedene Aufgaben. Bei manchen Gästen müssen wir um 22 Uhr noch Medikamente verabreichen, bei anderen müssen wir dafür sorgen, dass sie während der Nacht immer mal wieder auf die Toilette gehen. Vor allem sind wir aber auch dafür verantwortlich, dass niemand türmt, denn hier oben in Arcegno wäre es schwierig, verloren gegangene Gäste wieder zu finden.

Unsere Schicht dauert von 21 Uhr abends bis 07.45 Uhr morgens. Die Zeit vergeht am schnellsten, wenn man sich noch um etwas kümmern muss. Ansonsten beschäftigen wir uns mit dem Laptop, schauen Filme und essen vor allem viele Snacks. Denn keiner von uns ist sich von seinem beruflichen Umfeld her einen solchen Schlafrhythmus gewohnt.

 ASSISTA-16_WK_23_3.jpg Leider war meine erste Nacht hier aber sehr mies, denn ich habe einen epileptischen Anfall erlitten. Und als ich wieder zu mir kam, habe ich in meinem Mund Blut geschmeckt, wusste aber nicht, woher, das hat mich beunruhigt. Zum Glück hat sich der Anfall erst etwa um 4 Uhr morgens ereignet, so dass ich wenigstens ein bisschen schlafen konnte. Jetzt hoffe ich, dass die nächste Nacht etwas ruhiger wird. Denn morgen reisen wir zum Markt nach Luino und ich habe meinem Kater Eros versprochen, dass ich für ihn ein Halsband suche, dass sich gut zu seinem leuchtend gelben Flohhalsband kombinieren lässt.   Während der Nacht gibt es ab und zu Fälle, die wir nicht alleine meistern können. Gestern zum Beispiel hat eine unserer Bewohnerinnen einen epileptischen Anfall erlitten. Den habe ich zwar nicht direkt miterlebt, aber als die Bewohnerin nachher aus ihrem Zimmer gekommen ist, war die Situation auch für mich unbekannt, da ich nicht wusste, ob ihre Symptome normal sind. In solchen Fällen sind aber immer die Betreuerinnen und Betreuer von Pigna dabei, die uns dann helfen können. So auch vor zwei Jahren, als eine eher gewichterige Bewohnerin, die auf einen Rollator angewiesen war, in der Nacht auf der Toilette zusammengeklappt ist.
     ASSISTA-16_WK_23_2.jpg Zivilschützer Fabio Di Canio überprüft, dass alle Feriengäste und Betreuer die Standseilbahn des Monte Brè wieder verlassen.
 24. August, dritter Tag  

Meine Güte, was das für ein Ameisenhaufen war auf dem Markt in Luino! Dorthin sind wir heute von Locarno aus mit dem Schiff gefahren. Und eigentlich wollte ich ja für Eros ein Halsband kaufen. Aber es waren so viele Menschen auf dem Markt, da verging mir die Lust auf Shopping schnell. Gekauft habe ich nur einen Sonnenhut - und zwar am Steg in Locarno.

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Nadja Stampfli (rechts) am ersten Tag im Gespräch mit Bewohnern der Stiftung Pigna.

 

Nadja Stampfli, Teamleiterin der Stiftung Pigna, ist dieses Jahr zum ersten Mal Hauptverantwortliche von Pigna an einem Einsatz in Arcegno. Nach den ersten drei Tagen und dem grossen Tagesausflug auf den Makrt in Luino zieht sie eine Zwischenbilanz:

Am anstrengensten bisher war eigentlich nichts im Tessin, sondern die Abfahrt am allerersten Tag in Kloten. Da sind alle Zivilschützer und Feriengäste gleichzeitig eingetroffen, man musste überprüfen, dass alle Gepäckstücke und vor allem die Medikamente mitreisen. Seit wir aber hier im Tessin angekommen sind, wurde es lockerer. Ich kann gar nicht alles kontrollieren und ich muss auch nicht, ich darf mich auf die Zivilschützer und meine Kolleginnen und Kollegen von der Pigna verlassen.

 

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Dafür habe ich die rund eineinhalbstündige Schifffahrt nach Luino sehr genossen. Und das Mittagessen mit Burger und Pommes. Ja, ich weiss, da fahren wir nach Italien und ich esse einen Burger, aber hey, ich esse sowas sonst selten! Und zum Dessert gab es Gelati, das gehört einfach dazu.

 

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Die Reise mit dem Schiff war nebst dem Besuch des Markts in Luino die Hauptattraktion des Programms am Mittwoch.

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Feriengast Stefan Keinersdorfer im Gespräch mit Betreuer Besnik Zahiri.

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Feriengast Nadine Meier kann sich beim Schreiben einer Postkarte auf einen helfenden Rücken verlassen.

Die ersten drei Tage habe ich deshalb sehr gut erlebt. Es ist schön zu sehen, wie sich die Betreuer für die Feriengäste engagieren, wie viele, die sonst nicht profesionell in der Betreuung tätig sind, wirklich einen tollen Job machen. Das klappt sogar dann, wenn wie heute ein Spezialfall eintrifft: Eine unserer Mitarbeiterinnen wurde krank. Und eine unserer Bewohnerinnen hat eine seltene Stoffwechselkrankheit: Pro Mahlzeit darf sie nur eine ganz bestimmte Menge Eiweiss zu sich nehmen, ansonsten vergiftet sich ihr Körper selbst. Die Aufgabe der erkrankten Mitarbeiterin wäre gewesen,die Mahlzeit und Medikamentation dieser Bewohnerin entsprechend zusammenzustellen. Als ich dann heute erfahren habe, dass die Mitarbeiterin krank ist, dachte ich deshalb: "Ok, heute kommt einiges auf mich zu!" Aber glücklicherweise war der zugeteilte Betreuer der Bewohnerin bereits so erfahren mit ihren Bedürfnissen, dass wir den Tag problemlos über die Bühne gebracht haben. Das war für mich ein rührendes Erlebenis.

Ich habe deshalb bereits zugesagt, nächstes Jahr wieder dabei zu sein. Denn solche rührende Elemente gibt es jeden Tag, grössere, aber auch viele kleinere. Wir sollten das nächste Mal aber darauf achten, dass wir beim Vorstellen des Ferienangebots für unsere Bewohner der Stiftung Pigna noch mehr darauf hinweisen, dass die Woche mit dem Zivilschutz etwas für Aktive ist. Denn auch für mich sind die Tage sehr lang und das Programm ist dicht, deshalb kann ich es gut verstehen, wenn nicht alle Feriengäste gleich begeistert sind, wenn wir sie um 8 Uhr aus dem Bett holen.

   

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Auf dem Markt in Luino hatte man am ehesten als Gruppe die Chance, sich einen Weg durch die Menschenmassen zu bahnen.

 
 25. August, vierter Tag

Anders als in den letzten Jahren sind wir dieses Mal für unseren Badeausflug nach Ascona gefahren. Denn ganz in der Nähe des Strandes von Ascona gibt es auch eine Minigolfanlagen. So konnten wir golfen und baden, wenn wir das wollten.

Ich bin dann aber nur in die Badi gegangen, bei dieser Hitze hat es mich mehr ins Wasser gezogen. Ich war dann sogar eine der Ersten, die den Sprung ins Kühle nass gewagt haben. Als ich den Fuss reingestreckt habe, war es zwar schon etwas kalt. Aber ich dachte mir dann einfach "Was soll's" und bin einfach weiter maschiert.

Schwimmen gehen ist für mich immer etwas ein Abwägen. Es gefällt mir zwar sehr gut. Aber als ich elf Jahre alt war, hatte ich einen epileptischen Anfall im Hallenbad erlitten und bin dabei knapp am Tod vorbeigeschrammt. Seitdem habe ich grossen Respekt vor dem Wasser.

Nicht so gefallen haben mir die Preise für das Essen in der Badi, die waren viel zu hoch. Ich habe deswegen nur ein paar Müsliriegel gegessen - und dann am Abend zweimal geschöpft.

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Die Küchenchefs (v.l.n.r. Sandro Gasser, Jean-Paul Forzinetti und Jonathan Weber) am Vorbereiten in der Küche. Für die Zubereitung der Speisen für rund 70 Personen haben sie vier Gasherdplatten zur Verfügung, modernes Equipment wie Steamer oder Wäremschubladen sucht man vergeblich.

 

 

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Die Klotener Stadträtin und SP-Nationalrätin Priska Seiler Graf (rechts) besuchte heute zusammen mit Sonja Portner, welche für die Administration des ZSO Hardwalt zuständig ist, und Kommandant Peter Schwarz, den Einsatz auf der Minigolfanlage und im Strandbad von Ascona. "Diese Woche ist eine Bereicherung für die Bewohner der Stiftung Pigna, aber auch für die Betreuer des Zivilschutzes", sagte Seiler. Dass die Woche mit den Bewohner der Stiftung Pigna in Zukunft wegen Budgetüberlegungen - die Woche kostet die Gemeinden der ZSO Hardwald rund 12'000 Franken - in Zukunft wegen Budgetüberlegungen gefährdet sein könnte, hält Seiler für unwahrscheinlich. "Bisher mussten wir noch nie darum kämpfen und wenn es soweit kommen würde, wäre ich darüber sehr enttäuscht", sagte sie. Wer einmal einen Augenschein vor Ort genommen habe, sehe nämlich sofort, warum der Einsatz eine gute Sache ist.

 

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Feriengast Heinz Steiner und Zivilschützer Tarek Daaboul versuchten sich auf der Minigolfbahn zu übertrumpfen.

Auch die beste Organisation und die motiviertesten Betreuer helfen nichts, wenn das Essen nicht schmeckt. An einem normalen Ferientag in Arcegno sorgen deshalb drei Küchenchefs dafür, dass sich Feriengäste und Betreuer am Morgen und am Abend (das Mittagessen findet meistens ausserhalb des Camps statt) die Bäuche vollschlagen können. Die Köche Jean-Paul Forzinetti, Jonathan Weber und Sandro Gasser erklären, weshalb es ihnen nicht langweilig wird, obwohl das Camp zwischen 10 Uhr morgens und 17 Uhr abends quasi ausgestorben ist:

"Wir sind die ersten Zivilschützer, die morgens auf Platz stehen: Um 06.30 Uhr legen wir los. Dann gilt es zuerst einmal, das Morgenbuffet vorzubereiten. Wir sind inzwischen ein so eingespieltes Team, dass wir das quasi wortlos hinkriegen, jeder Handgriff sitzt und jeder weiss genau, was die anderen beiden gerade machen. Zum Glück - zwei von uns sind ziemliche Morgenmuffel und wollen vor dem Frühstück keine grossen Gespräche führen.

Nach dem Buffet beginnt einer von uns mit den Vorbereitungen für den nächsten Tag, heute zum Beispiel Cervelats, Käse und Essiggürkchen für den Salat von morgen schneiden. Wir kochen immer einen Tag im Voraus, so können wir noch reagieren, wenn etwas einmal nicht so klappt, wie es soll. Die beiden, die nicht vorbereiten, fahren zum Einkaufen. Denn Einkaufen, das müssen wir hier jeden Tag, weil es im Camp keine guten Kühlmöglichkeiten gibt. Das kostet uns täglich eine Menge Zeit. Bei den Quantitäten, die wir hier kochen - heute haben wir neun Kilogramm Pasta für knapp 70 Personen gemacht - dauert Einkaufen ziemlich lange, zwischen zwei bis vier Stunden. Die Kassiererin in Losone verdreht schon mal die Augen, wenn wir mit unseren vier Einkaufswägelchen zur Kasse fahren.

Wenn wir vom Einkaufen zurückkommen, machen wir das Mittagessen fertig für die Zivilschützer, die hier geblieben sind, etwa vom Kader oder von der Logistik. Danach, um ca. 14 Uhr, haben wir dann das erste Mal eine richtige Pause. Um spätestens 16 Uhr müssen wir dann dem Abendessen den letzten Schliff geben. Wir kochen dabei eigentlich fünf verschiedene Menüs: Wir haben einen Zivilschützer, der sich vegan ernährt; einen, der laktoseintolerant ist; verschiedene, die kein Schweinefleisch essen; und dann haben wir noch das Spezialmenü für die Bewohnerin, die nur eine ganz bestimmte Menge an Eiweiss pro Mahlzeit zu sich nehmen darf - für sie müssen wir aufs Gramm genau kochen. Inzwischen haben wir das aber ziemlich gut im Griff. Feierabend haben wir um circa 20 Uhr.

Von Beruf her ist von uns dreien keiner mehr Koch. Jonathan ist Metzger, Jean-Paul und Sandro haben zwar Koch gelernt, arbeiten aber seit Jahren nicht mehr auf dem Beruf. Doch in dieser Woche macht es richtig Spass zu kochen. Die Feriengäste zeigen grosse Dankbarkeit und wir haben uns zum Ziel gesetzt, ihren Aufenthalt mit der bestmöglichen Küche zu versüssen. Gelingt uns das, werden wir am Samstag mit einem guten Gefühl nach Hause fahren."

 26. August, fünfter Tag

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Wie auch schon letztes Jahr haben wir heute am Morgen ein Souvenir als Erinnerung an die Ferienwoche gebastelt. Beim letzten Mal haben wir mit Fotos aus den Ferien Collagen gebastelt. Ich habe meine direkt zuhause an die Wand gehängt.

Dieses Jahr haben wir kleine Holzschatullen verziert, meine habe ich mit dem Zivilschutzlogo bemalt. Wofür ich das Kästchen zuhause benutze, weiss ich noch nicht, vielleicht als Schmuckschatulle oder als Lager für meine Haarspangen.

Am Nachmittag sind die meisten Feriengäste dann noch auf Burgbesichtigung in Bellinzona gegangen. Aber alte Gebäude, die gebaut wurden, als ich noch Sterne geputzt habe, interessieren mich ehrlich gesagt nicht besonders. Deshalb bin ich lieber shoppen gegangen.

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Walter Roth beim sorgfältigen Verzieren seiner Holzschatulle am Freitagmorgen.

 

Was macht eigentlich ein Feldweibel? Für den durchschnittlichen Betreuer während der Ferienwoche sieht es so aus, als wären George Mete und Marco Riget überall gleichzeitig und würden irgendwelche Dinge koordinieren. Doch was eigentlich? Mete gibt Auskunft.

"Ein Feldweibel ist so ein bisschen das Mami der Kompanie. Zwischen Tagwach und Lichterlöschen koordinieren und leiten wir aus dem Hintergrund alles und regeln die ganze Logistik, insbesondere was Fahrzeuge und Infrastruktur anbelangt. Und: Wir sind immer für unsere Leute da. Wie ein Mami halt.

Wir stehen am Morgen um 06.30 Uhr auf, damit wir im schlimmsten Fall sicherstellen können, dass auch alle rechtzeitig zum Morgenappell bereit sind. Ja, auch das gehört zu unseren Aufgaben. Mit Löffel auf Pfannen schlagend durch die Massenschläge ziehen wir zwar normalerweise nicht - ausser morgen vielleicht, damit alle rechtzeitig für die Rückreise bereit sind.

Heute haben wir nach dem Aufstehen wie jeden Morgen dafür gesorgt, dass unser dreiköpfiges Logistikteam für die Arbeiten rund um das Frühstücksbuffet bereit ist. Um 7 Uhr folgte dann der tägliche Rapport. In diesem Bereich hat im Vergleich zum letzten Jahr eine grosse Verbesserung stattgefunden. Damals hat die Kommunikation zwischen dem Betreuungsstab und uns die ersten beiden Tage nicht optimal funktioniert. Und wir waren damals auch noch keine Feldwebel, die Ausbildung dazu haben wir erst diesen Februar gemacht. Wir waren damals nicht wirklich in die Vorbereitung eingebunden und kamen eher spontan mit auf den Einsatz, wodurch wir natürlich ein wenig ins kalte Wasser geworfen wurden. Wir konnten dadurch aber auch wichtige Erfahrungen sammeln, auch bei ganz einfachen Dingen. Zum Beispiel haben wir gelernt, dass es sich lohnt, die Toiletten des Camps nochmals zu kontrollieren, nachdem die Feriengäste sich in Richtung des täglichen Ausflugsziels aufgemacht haben. Denn erfahrungsgemäss werden die WCs davor am stärksten beansprucht. Zuvor hatten wir die Toiletten am Morgen überprüft, während wir unsere Ruhe hatten. Was dazu geführt hat, dass wir dann eines Abends notfallmässig noch quasi im Pijama eine Toilettenreinigung veranlassen mussten.

  Der letzte Abend hier ist für mich immer schön und ein wenig traurig zu gleich. Denn ich weiss, dass ich viele dieser Menschen jetzt für ein Jahr wohl nicht mehr sehen werde. Ich hoffe, deshalb, dass ich mit einigen von ihnen per SMS oder WhatsApp den Kontakt in den nächsten zwölf Monaten aufrecht erhalten kann.

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Die Feldweibel George Mete (links) und Marco Riget sind die "Mamis" der Kompanie.

 

Der Morgenrapport dient also dazu, uns mit Informationen zu allem zu versorgen, was diesen Tag wichtig wird für uns. Heute haben wir nach dem Rapport etwa die Schlüssel für die Fahrzeuge für die Fahrer bereit gemacht, Checklisten für die Wegbeschreibung vorgeschrieben und die Polycomgeräte (die Funkgeräte) abholbereit gemacht. Und während unsere Feriengäste mit den Betreuern dabei waren, die Schatullen zu verzieren, mussten wir bereits an das Mittagessen denken. Ist die Fassstrasse vorbereitet? Sind genügend Getränke vorhanden? Sind die Tische sauber? All diese Aufgaben müssen koordiniert werden und das läuft über uns. Wir müssen dabei ein wenig Präsenz markieren, damit wir auch angesprochen werden können. Das ist nicht immer ganz einfach, denn natürlich neigt man dazu, auch selber mitanzumachen. Meistens wird man prompt dann gesucht, wenn man gerade selbst einen Abfallsack zur Mülltonne trägt.

Nach dem Mittagessen haben wir dann auch einmal die Möglichkeit, um von der Uniform zu Flipflops und kurzen Hosen zu wechseln. Doch sobald die Feriengäste dann langsam wieder von ihrem täglichen Ausflugsziel zurückkommen, gilt es für uns wieder ernst und wir müssen das Abendessen vorbereiten. Heute waren wir natürlich auch noch mit Vorbereitungen für die Heimreise von morgen beschäftigt.

Morgen nämlich wird mir hoffentlich zum zweiten Mal diese Woche ein grosser Stein vom Herzen gefallen sein. Denn das Verschieben der Feriengäste, der Betreuer und des Materials von Ort zu Ort ist für uns immer die grösste Herausforderung."

27. August, sechster und letzter Tag

Heute ging die Ferienwoche mit dem Zivilschutz im Tessin für mich zuende. Das ist natürlich schade, aber davon liess ich mir nicht die Laune verderben. Während der knapp vierstündigen Fahrt zurück nach Kloten konnte ich es mit den Zivis und den anderen Feriengäste in unserem Fahrzeug trotzdem lustig haben. Und ich freue mich auf meine Katze Eros, meine Kollegin, die auch im Graswinkel wohnt, hat mir am Telefon gesagt, dass er täglich nach mir gejammert habe. 

Insgesamt hat mir die Woche wie erwartet sehr gut gefallen und ich konnte sie richtig geniessen. Und es ist schön, dass ich gestern und heute von verschiedenen Leuten gefragt wurde, ob ich nächstes Jahr wieder mit dabei bin. Das gibt mir emotionale Kraft. Sobald die Liste der Ferienangebote der Stiftung Pigna für das nächste Jahr ausgehängt wird, werde ich mich sofort wieder für das Lager mit dem Zivilschutz einschreiben. Es ist zwar das kürzeste Angebot, aber das schönste und ich freue mich jetzt schon darauf. Und wie sagt man so schön: Vorfreude ist die schönste Freude.

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Abfahrt nach Hause.

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Reinigung mit anschliessender Abgabe der Unterkünfte.

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Zwei Sunnyboys (die Feldweibel George und Marco) im Cabriolet (Puch) auf der Rückfahrt über den San Bernardino

Peter Schwarz, Kommandant der ZSO Hardwald, zieht zum Schluss der Woche sein Fazit:

"Ich bin sehr zufrieden. Die Leistung der Zivilschützer war absolut überzeugend, ich habe nicht einen einzigen erlebt, der sich nur halbpatzig eingesetzt hätte.

Das Ziel für das nächste Jahr ist es nun, dieses Niveau beibehalten zu können. Das wird nicht ganz einfach, denn mir ist es ebenfalls ein Anliegen, dass wir das Team ein bisschen öffnen, also auch neue Leute miteinbeziehen. Denn nur so können wir dieses Projekt nachhaltig gestalten.

Dass das Projekt überhaupt zum zweiten Mal im Rahmen der ZSO Hardwald durchgeführt wird, ist übrigens keine Selbstverständlichkeit. Denn als der Zusammenschluss der verschidenen Zivilschutzorganisationen, die nun die ZSO Hardwald bilden, im Herbst 2014 beschlossen wurde und ich als neuer Kommandant eingesetzt wurde, wollte ich auf das Lager im ersten Jahr eigentlich verzichten. Und zwar, damit wir uns in diesem Jahr unseres Bestehens Zeit für die korrekte Umsetzung der Fusion nehmen können, damit wir Zeit haben, um uns mit uns selbst zu beschäftigen. Von der Stadt Kloten aus und insbesondere vom Team, welches das Lager in den Vorjahren durchgeführt hatte, wurde dann aber der dringende Wunsch geäussert, dass Lager nicht ein Jahr pausieren zu lassen, wozu wir uns denn auch entschlossen, obwohl die Voraussetzung deutlich anders waren. Weil das Budget der Stadt Kloten aber schon Monate zuvor beschlossen worden war, musste wir dazu zuerst noch einen Nachtrag einreichen.

Schliesslich konnten wir das Lager unter Dach und Fach bringen und inzwischen beteiligen sich sämtliche Gemeinden der ZSO Hardwald daran."

 

 

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